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Immersion – Design – Kunst: revisited (Kiel, 19-21 May 16)

Deadline-CFP: 29 févr. 2016

Immersion – Design – Kunst: revisited. Transmediale Formprinzipien neuzeitlicher Kunst und Technologie

Symposium vom 19. – 21. Mai 2016 an der Muthesius Kunsthochschule und der Fachhochschule Kiel

Immersionsästhetiken haben spätestens seit der Renaissance immer wieder Konjunkturen, die in der Regel den Einbruch neuer Medientechnologien markieren. So zuletzt in den aufgeregten Debatten der Jahrtausendwende als unter dem Eindruck digitaler Simulation gar ein vollständiger Bruch mit allen überkommenen Vorstellungen des Wirklichen konstatiert wurde – bis hin zu einer Agonie des Realen. Mehr als ein Jahrzehnt später hat sich diese Realität als äußerst resistent erwiesen und die Technologien der Immersion wurden selbstverständlicher Bestandteil von alltäglicher Kommunikation und ästhetischem Erleben. In dieser Gewöhnlichkeit verbirgt sich die eigentliche künstlerische Herausforderung, denn die pure Medientechnologie, wie noch in den Geburtsjahren der Ars Electronica geglaubt, ist für eine ästhetische Differenz nicht hinreichend. Neuzeitliche Kunst war immer schon Medienkunst, insofern soll es um die Möglichkeit einer digitalen Medienkunst im Zeitalter digitaler Selbstverständlichkeit gehen.
War die damals wohl auch notwendige Euphorie der Medientheorien der 1980er und 1990er Jahre durch eine Fixierung auf das technologische Moment gekennzeichnet, richtet sich heute der Blick eher auf transmediale und multimodale Kontinuitäten und Brüche über unterschiedliche Medien hinweg. Dies ermöglicht einen neuen Blick auf Kunst und Design der Immersion als eines die Mediengrenzen überwindenden Formprinzips, anstatt die ontologische Frage nach der Wahrheit der Bilder erneut zu wiederholen.
Wenn die Autoren ein Symposion Immersion – Kunst – Design: revisted titeln, dann zielen sie auf eine eigenständige medientheoretische Perspektive ab, in der Medienkunst weder als einfacher Effekt der Medientechnologie erscheint, noch die gesellschaftliche Realität der Medien mit der künstlerischen Phantasie der Medienkünstler verwechselt wird.
Man erinnert sich mit welcher Leichtfertigkeit das Internet in seinen Anfangsjahren als emanzipatorisches Paradies gefeiert wurde und Freiheit als eine automatische Funktion der Technologie erschien. Die Enttäuschung über den Verlust solcher Utopien bedeutet aber nicht das Ende der Internetkunst, vielmehr wird nun der Blick frei für eine Medienkunst, die mehr ist als ein trivialer Nebeneffekt der technologischen Aufbruchsstimmung. Hier sind es die bewegten und interaktiven Bilder, die das Immersionspotential des dynamischen Bildes und seiner Apparaturen adaptieren und zugleich modifizieren. In ihnen findet sich die Oszillation zwischen dem Verlangen nach Unmittelbarkeit und der Konstruktion von Hypermedialität, von Immersion und Reflexion, aus der letztlich das Künstlerische zu entspringen scheint.
Das gilt auch für das Design: Gerade avancierte Simulationstechnologien verführen oftmals dazu, dass vergessen wird, dass auch solche Mimesis immer ästhetische Konstruktion ist. Das Bild selbst verschwindet durch seine technologische Perfektionierung auf einer Asymptote zur vollständigen Transparenz. Der aktuelle Trend zur Angleichung multimodaler Display- und Interfaceensembles interaktiver und bewegter Bildmedien an die natürliche Wahrnehmung und Interaktion zeigt dies mit wahrscheinlich nie da gewesener Verve. Je fortgeschrittener die Technologien werden, umso subtiler müssen gleichermaßen die ästhetische Analyse sowie das gestalterische Konzept werden – will das Kunstwerk nicht unter den smarten Oberflächen unsichtbar werden. Die Analyse dieses Designs der Gegenwart sowie seiner künstlerischen Reflexion zielt auf eine zeitgemäße Ästhetik des Digitalen ab, insbesondere des digitalen bewegten Bildes, welche die naiven Pole zwischen Euphorie und Apokalypse, die die Debatte einst prägte, hinter sich lassen kann.

Das Symposium ist eine außerordentliche Kooperation von Muthesius-Kunsthochschule, Fachhochschule Kiel und Research Group Moving Image Science Kiel. Die eingesandten Abstracts sollten nicht länger als eine DIN-A4-Seite sein (etwa 300 Wörter) und neben dem Titel der Präsentation den Namen, die wissenschaftliche Institution und die E-Mail-Adresse der Einsendenden enthalten. Die Dauer der Präsentation sollte 60 Minuten (+30 Minuten Diskussion und technischer Aufbau) nicht überschreiten.

Senden Sie die Abstracts bis zum 29. Februar 2016 per E-Mail an kontakt@bewegtbildwissenschaft.de. Für weitere Fragen stehen Ihnen Lars C. Grabbe, Patrick Rupert-Kruse und Norbert M. Schmitz gerne zur Verfügung.

Source de l’article  : H-ArtHist, 27 oct. 2015 (accessed 28 oct. 2015), <http://arthist.net/archive/11365>.